Nicht jeder Online-Shop, der deutsch wirkt, sitzt auch in Deutschland. Der Handelsverband NRW Westfalen-Münsterland warnt vor Angeboten, die mit deutschem Namen, deutscher Internetadresse und professioneller Gestaltung den Eindruck eines heimischen Händlers erwecken, tatsächlich aber von Anbietern aus China betrieben werden.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher kann eine Bestellung bei solchen Shops mit erheblichen Problemen verbunden sein. Die gelieferte Ware entspricht mitunter nicht der Beschreibung oder weist qualitative Mängel auf. Auch bei Rückgaben und Reklamationen entstehen häufig Schwierigkeiten. So können die Kosten für eine Rücksendung nach China den Wert der bestellten Ware deutlich übersteigen.
„Auf den ersten Blick sehen viele dieser Shops seriös und vertraut aus. Erst nach der Bestellung stellen Kunden dann fest, dass der Anbieter seinen Sitz weit außerhalb Europas hat und eine Rückgabe kompliziert oder teuer wird“, erklärt Tobias Buller-Langhorst, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands NRW Westfalen-Münsterland.
Im stationären Handel können Verbraucherinnen und Verbraucher die Ware vor dem Kauf ansehen und sich direkt beraten lassen. Auch Umtausch, Reklamationen und Rückgaben lassen sich in der Regel unmittelbar vor Ort klären. Bei unbekannten Online-Anbietern ist dagegen häufig zunächst zu prüfen, wer tatsächlich hinter dem Angebot steht.
„Das Thema ist nicht weit weg vom Alltag. Selbst in meinem privaten Umfeld wollte ein Familienmitglied bei einem vermeintlich deutschen Online-Shop bestellen. Alles sah nach einem Unternehmen mit Sitz in Deutschland aus – am Ende stellte sich jedoch heraus, dass der Anbieter tatsächlich aus China kam“, sagt Tobias Buller-Langhorst.
Bei Bestellungen im Internet ist deshalb ein genauer Blick auf den Anbieter besonders wichtig. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten das Impressum, den tatsächlichen Unternehmenssitz sowie die Bedingungen für Widerruf und Rücksendung prüfen. Eine deutsche Domain oder eine deutschsprachige Internetseite allein sagt noch nichts über den Standort und die Seriosität des Anbieters aus.
„Entscheidend ist die Frage: Wer steht tatsächlich hinter dem Shop und wohin müsste ich die Ware im Fall einer Rückgabe schicken? Wenn diese Angaben unklar sind oder die Rücksendeadresse in China liegt, ist Vorsicht angebracht“, sagt Tobias Buller-Langhorst.
Zusätzliche Hinweise können Bewertungen und Erfahrungsberichte anderer Kundinnen und Kunden liefern. Hilfreich ist es, den Namen des Shops zusammen mit Suchbegriffen wie „Erfahrungen“, „Reklamation“ oder „Rücksendung“ zu recherchieren. Auch Warnlisten der Verbraucherzentralen können bei der Prüfung eines Anbieters helfen.
Problematisch sind dabei nicht nur klassische Fake-Shops, die nach der Bezahlung gar keine Ware liefern. Zunehmend treten auch Anbieter auf, die tatsächlich Waren verschicken, ihre Herkunft und ihre Rückgabebedingungen aber nicht ausreichend transparent machen.
„Unseriöse Anbieter benachteiligen Unternehmen, die sich an geltende Regeln halten und Verantwortung für ihre Kundinnen und Kunden übernehmen“, betont Tobias Buller-Langhorst. „Verbraucher sollten deshalb aufmerksam prüfen, bei wem sie bestellen. Gleichzeitig müssen Verstöße konsequent verfolgt werden, damit sich solche Geschäftsmodelle nicht weiter ausbreiten und der Wettbewerb nicht zulasten der heimischen Händler verzerrt wird.“
>> Tipps für Verbraucherinnen und Verbraucher gibt es hier zum Download
>> Tipps der Polizei finden sich hier: https://www.polizei-beratung.de/medienangebot/detail/checkliste-onlineshopping/